Jens Weber von der Grünen Liga Osterzgebirge argumentiert:
Als die Bürgerinitiative B 170 im Oktober das Straßenbauamt
Dresden um einen Gesprächstermin bat, um sich über die
Instandsetzungsarbeiten nach der Flut zu informieren, wurde ihr
das rundweg verwehrt. Immerhin teilte man mit, dass im Juni nächsten
Jahres die "uneingeschränkte Befahrbarkeit" der B
170 wieder gewährleistet sei sowie die Transitabfertigung an
der Grenzzollanlage wieder aufgenommen werden soll.
Nun kommt noch die Planung einer neuen Schnellstraße dazu.
Angeblich, um die bisherige B 170 zu entlasten. Abgesehen davon,
dass es im Moment dort ja gar nichts zu entlasten gibt, weil die
Transiter noch nicht wieder rollen, sollten wir inzwischen gelernt
haben, dass man den Versprechungen der Betonbehörden keinen
Glauben schenken darf.
Schon die neue Zollanlage in Zinnwald sollte zu einer wesentlichen
Entlastung der B 170 beitragen, so wörtlich in einem Protokoll
von 1997. Eingetreten war das krasse Gegenteil: mehr als Verdoppelung
des Lkw-Verkehrs innerhalb eines Jahres. Und die Vorplanungen der
Autobahn A17 waren immer mit dem Versprechen verbunden, die B 170
wäre dann überflüssig. Auch davon ist längst
keine Rede mehr. Viel realistischer ist doch folgendes Szenario:
2003 wird die alte B 170 transitertauglich gemacht, 2004 kommt die
neue B 170 hinzu und 2005 die A 17. Verkehrsbeschränkungen
verstoßen dann mit einem Mal gegen Wettbewerbs-, EU-rechtliche
oder andere Bestimmungen -so wie bereits in den letzten Jahren bei
den Gefahrgütertransporten oder einem Nachtfahrverbot rumgeeiert
wurde. Schließlich werden drei große Transitstrecken
das Osterzgebirge passieren. Dann geht es mit Sicherheit nicht mehr
um die 2000 Lkw' s, die bis Anfang August das Leben der B 170-An-wohner
zur Hölle gemacht haben. Dann haben wir hier das Zehnfache
oder noch mehr zu verkraften. Solange innerhalb Europas wesentliche
Lohnunterschiede bestehen, wird es immer nahezu unbegrenzten wirtschaftlichen
Druck für Gütertransite geben. Und wenn dafür entsprechende
Straßen vorhanden sind, werden diese auch bis an ihre Kapazitätsgrenzen
genutzt. Wie oft muss der Satz eigentlich noch bewiesen werden:
Wer Straßen sät, der wird Verkehr ernten.
Dabei waren bereits Lärm und Gestank auf der bis zum August
bestehenden B 170 viel zu viel - nicht nur für die Anwohner,
die noch drei Tage vor der Flut dagegen auf die Straße gingen.
Die von den Vierzig-tonnern ausgehenden Schadstoffmengen sind gigantisch,
und nicht zuletzt schädigen sie unsere Wälder. Die sogenannten
"neuartigen" (überwiegend verkehrsbedingten) Waldschäden
sind selbst in den naturnahen Buchenwäldern inzwischen sogar
für Laien kaum noch zu übersehen. So schütter wie
die Kronen der Bäume sehen auch deren Wurzelsysteme aus. Das
hat sich mit Sicherheit auch auf das Hochwasserausmaß ausgewirkt.
Nur ein gut durchwurzelter Waldboden kann die Erwartungen erfüllen,
die man für den Hochwasserschutz in ihn setzt. Wenn künftig
drei statt einer Transitstraße Laster durch dasOsterzgebirge
ziehen sollen, dann sind die Aussichten für den Wald sehr düster.
Auch die von Politikern geforderten, großflächigen Aufforstungsprogramme
im Einzugsgebiet der Bergbäche werden kaum die nächste
Flut verhindern können.
Im Gegenteil: Noch viel mehr Wasser wird infolge des Straßenbaus
schnell oberflächig abfließen. Zwischen Pirna und Erzgebirgskamm
erfordert die Autobahn A17 beispielsweise rund 500 Hektar Asphalt
und Beton. Multipliziert mit 300 mm Niederschlag ergibt das 150
000 Kubikmeter Wasser, die dann in kürzester Zeit über
Pirna hereinbrechen werden. Nicht viel anders ist dies bei der B
170.
Seit vielen Jahren fordert die Grüne Liga die Sperrung der
B 170 für den Lkw-Transit. Für wirklich notwendige Transporte
steht Eisenbahn im Allgemeinen und die Rollende Landstraße
im Speziellen zur Verfügung. Die Forderungen wurden von den
Verantwortlichen nie ernst genommen, außerdem würde ja
dann die Wirtschaft völlig zusammenbrechen. Nun ist die Transitstraße
unpassierbar, und die Erde dreht sich immer noch. Doch statt diese
Chance für einen durchdachten Neuanfang im Sinne der viel beschwore-nen
"Nachhaltigen Regionalentwicklung" zu ergreifen, werden
die gleichen Fehler verdreifacht.
Wenn die Landschaft zerstört wird, helfen auch keine Dämme
und Staumauern beim nächsten Extremregen. Niederschläge
wie den jüngst erlebten wird die immer weiter erwärmte
Atmosphäre in Zukunft noch viel mehr niedergehen lassen - auch
im Osterzgebirge. Da haben die Transiterabgase hier auch ihren Anteil
dran.