BÜRO FÜR ENTWURFS - UND TRAGWERKSPLANUNG
Beratender Ingenieur Dipl-Ing. (FH) Steffen G. Altmann
Wohnungs- und Gesellschaftsbauten . Denkmalpflegerische Rekonstruktionen
und Sanierungen
Projektleitungen . Gutachten . Gesamtbauleitungen
Dresden, den 08. Dezember 2002
Brief an die DEGES Deutsche Einheit Fernstraßen - Planungs- und -bau GmbH
Betr.: Bauvorhaben "Neubau der Bundesstraße B 170
von Dippoldiswalde bis Altenberg"
Bezug: Erstmalige(!) Bekanntmachung der Öffentlichkeit u.a.
durch die Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten-Die
Union und Die Tageszeitung TAZ am 29.11.2002, 30.11.2002 und am
07.12.2002
hier: Vorbereitung der Maßnahme im Vereinfachten Planungsverfahren vermutlich schon vor dem III. Quartal 2002
Sehr geehrter Herr Geschäftsführer Kleffner ! Sehr geehrter Herr Geschäftsführer Wofat
Die Sächsische Staatsregierung plant eine neue Straße
durch das Osterzgebirge zu bauen. Bei dem Projekt
mit dem Namen "neue B170" handelt es sich um ein ca. 16
km langes Teilstück zwischen Dippoldiswalde
und Altenberg.
Ihr Unternehmen - sehr geehrte Herren Geschäftsführer
- hat den Planungsauftrag sowie den Auftrag zur Erledigung der Projektsteuerung
erhalten.
Die Kosten werden im Übrigen mit 25 Millionen Euro veranschlagt.
Dabei handelt es sich dann um die dritte(!) Trasse, die in nächster Nähe das Erzgebirge zerschneidet, denn zur "alten" und zur "neuen" B 170 kommt auch die im Jahr 2005 angeblich fertig gestellte A 17. Wie rücksichtslos das Vorhaben vorangetrieben werden soll, belegen u.a. der Wunsch der Damen und Herren des sächsischen Wirtschaftsministeriums ohne(!) sauberes Planfeststellungsverfahren den Bau beginnen zu können sowie die Nicht- und Desinformation der Bevölkerung, welche die Details nicht von ihren gewählten Volksvertretern erfuhr - sondern in der 48.KW erst aus den Medien.
Zur Desinformation zählt auch den vom sächsischen Wirtschaftsministerium
ins Spiel gebrachten Kostenvoranschlag in Höhe von 25 Millionen
Euro.
In anbetracht dessen, dass die geplante Trasse über ein Landschaftsschutzgebiet,
über zwei flächenhafte Naturschutzgebiete, über ein
beantragtes Naturschutzgebiet, über zwei FFH - Gebiete, über
Trinkwassereinzugsgebiete, über forst- und landwirtschaftlich
genutzten Raum, über besiedelten Raum und über auf der
gesamten Länge vormals intensiv genutztes Bergbaugebiet verläuft,
werden nach meiner Fachkompetenz die vom deutschen Steuerzahler
aufzubringenden Kosten ein Vielfaches betragen.
Eine nicht unwesentliche Menge Steuergelder wird die Schaffung
von Lärmschutz, Wildbrücken, Wildzäunen und weiteren
Ausgleichsmaßnahmen verschlingen.
Hinzu kommen bemerkenswerte Maßnahmen der Bergsicherung und
die Bezahlung von Entschädigungen an die Bürger, deren
Grundstücke einen nicht unerheblichen Wertverlust erfahren
werden.
Darüber hinaus muss im Winter aufgrund der Kammlage, auf der
sich die Trasse befindet, ein extensiver Winterdienst betrieben
werden, um die Strasse befahrbar zu halten - allerdings ist es angesichts
von regelmäßig auftretenden bis zu 5,0 m hohen Schneeverwehungen
stark zu bezweifeln, dass dies gelingt.
In der Konsequenz geht der Verkehr wieder über die alte B 170
!
Eine völlige Verlegung, weg von der alten B 170, wird eine
Vernichtung der gewachsenen Wirtschaftsstrukturen an der Strasse
nach sich ziehen. Daraus ergeben sich Mindereinnahmen der betroffenen
Gemeinden.
Doch nicht nur daraus steigen die Belastungen für letztere,
denn durch die Vernichtung landwirtschaftlich genutzter Fläche
und dem Verlust von Kunden für die Gewerbetreibenden werden
dort Angestellte ihre Arbeit verlieren und höchste Sozialkosten
für die Gemeinden verursacht.
Außerdem ist der wichtigste wirtschaftliche Faktor der Region
der Tourismus.
Dieser wird durch die Vernichtung von einzigartigem Naturraum, durch
die faktische und nachhaltige Zerstörung eines gefragten Sport-
und Erholungsgebietes seiner Grundlagen beraubt !
Neben den mit jeder neuen Strasse verbundenen Belastungen wie Lärm
und Dreck wird die Ausrottung seltener einheimischer Pflanzen und
Tiere vorangetrieben.
Zum Beispiel das auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzenarten
stehende gefleckte Knabenkraut, seltene Orchideen etc. und Gewächse
der "Meyenburgwiese"' bei Falkenhain werden durch den
Eingriff in den (oberflächlichen) Wasserhaushalt hier bald
nicht mehr anzutreffen sein.
Zugrastgebiete und Flugkorridore für Offenlandvögel werden
zerstört.
Die Paarungs- und Frühjahrssonnenplätze der nur hier noch
vorzufindenden Kreuzotter, die Brutplätze des auf der Roten
Liste stehenden Sperlingkauzes, der kleinsten Eule Europas, das
Brutgebiet des Waldschwarzstorches sowie die Wanderkorridore und
Einstandsgebiete des Muffelwildes und des Rothirsches werden für
immer zerstört.
Eine weitere Konsequenz, die solch ein Eingriff mit sich bringen würde, ist mit einer einfachen Begehung, wie sie stattgefunden hat, nicht zu erkennen. Würden z.B. geologische Gutachten hergestellt, ließe sich sofort erkennen, dass dann etliche Grundstücke und Gebäude durch Oberflächenwasser stark in Mitleidenschaft gezogen werden.
Zu all den aufgezählten Fakten gesellt sich noch die Unverfrorenheit
des sächsischen Wirtschaftsministeriums, dies als Hochwasserschutz
zu deklarieren und den Fond für das Hochwasserhilfsprogramm
dafür in Anspruch nehmen zu wollen!
Viele stark betroffene Hochwassergeschädigte haben bis jetzt
keine einzige Hilfszahlung erhalten und auf der anderen Seite soll
ein Projekt, das aktive Hochwasserverursachung ist, aus diesem Topf
die Mittel bekommen. Durch die Abholzung eines intakten Waldes und
die großflächige Versiegelung des Bodens, möglicherweise
auch die Vernichtung von Feuchtwiesen, wird das Wasser noch viel
schneller in das Tal fließen.
Es ist nicht nur die auffällige Doppelzüngigkeit und Arglist der sächsischen Staatsregierung für die ihr Landwirtschaftsminister verkündet, die Wälder wieder aufforsten zu lassen und natürlichen Hochwasserschutz zu fördern, während das sächsische Wirtschaftsministerium genau das Gegenteil plant - es ist aber auch die erschreckende Rücksichtslosigkeit gegenüber den Opfern des Hochwassers, die dann noch gefährdeter sind und bei denen wissend in Kauf genommen wird, dass beim nächsten Hochwasser sich das Drama wiederholen wird.
Anstatt die Gelder in wirklichen Hochwasserschutz zu investieren und sich den Interessen der einheimischen Bevölkerung verpflichtet zu fühIen, wird der Wählerauftrag auf das schmählichste den Wünschen der Verkehrs- und Transportlobby im In- und Ausland geopfert.
Da erarbeitet der Regionale Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge u.a. folgende Leitsätze:
* ".... Gerade für die Raumplanung als ein Handlungsfeld
mit Langfristwirkung verbindet sich damit die Pflicht und die Chance,
mit dem Ziel eines wirksameren vorsorgenden Hochwasserschutzes neben
sozialen und wirtschaftlichen Aspekten auch ökologische Zielinhalte
insgesamt noch stärker und effizienter in die Planung zu integrieren,
deren konsequente Durchsetzung einzufordern und an deren Umsetzung
aktiv mitzuwirken ....?
* ".... Unterstützung der Forderung nach einem kurzfristig
zu erarbeitenden grenzüberschreitenden Gesamtkonzept für
die Entwicklung des Elberaumes, dass neben verkehrlichen auch gleichberechtigt
Naturschutz- und Hochwasserziele behandelt...."
und nimmt unter dem Grundsatz 4.1 "....die Erhöhung des Waldanteils im Anschluss an bestehende Wälder sowie auf den oberen Hangbereichen der Flusstäler...." in den Regionalplan auf und gleichzeitig will man ein dem völlig entgegenstehendes Projekt realisieren und versucht Tatsachen zu schaffen, bevor überhaupt ein "grenzüber-schreitendes Gesamtkonzept", das auch andere Verkehrsformen, wie die Bahn, mit einbezieht erarbeitet ist.
Hinzu käme noch, dass diese neue Strasse dann aufgrund ihrer Parallellage zur neuen Autobahn völlig überflüssig wäre!
Aus all diesen genannten Gründen müssen wir gegen den
Bau dieser Straße auftreten und werden uns dafür einsetzen,
dass diese Strasse nicht gebaut wird und stattdessen für die
Bewohner durch Hochwasser gefährdeter Gebiete ein wirksamer
Schutz betrieben und ein langfristiges und durchdachtes Verkehrskonzept
erarbeitet wird.
Unter den jetzigen Anzeichen verstehen wir den Bau einer "neuen"
B170 als Steuerverschwendung und Raub von Zukunftschancen heutiger
und zukünftiger Generationen.
Wir werden uns dagegen positionieren !
Geben Sie den Planungsauftrag Ihren Auftraggebern zurück und werden Sie nicht zu Erfüllungsgehilfen falscher Interessen !
Mit freundlichen Grüßen
Steffen G. Altmann
Bürgerinitiative B 170 www.waldidylle.de