zum SZ-Artikel "Landrat: Die B 170 ohne Transiter ist eine Illusion" am 27.12.2002
Landrat Greif hat über Weihnachten nachgedacht - und herausgefunden,
wo sein Platz ist. Nicht etwa bei den betroffenen Bürgern,
die nach seinen Worten Illusionen nachrennen. Nein, weit gefehlt,
er verweist vielmehr auf die Argumente all derjenigen, die es immer
schon besser wussten und der Globalisierung der Wirtschaft mit all
ihren natur- und ressourcenvernichtenden Prozessen das Wort reden.
An Statt den Dialog mit den Bürgern zu suchen, gemeinsam mit
ihnen zukunftsfähige Wege zu diskutieren, lässt Herr Greif
seine Auffassung zu den Dingen über die Presse verlauten. Das
ist nichts Neues, denn bereits im vergangenen Jahr ignorierte er
die Einladungen der Freien Wähler und der Grünen Liga
zu öffentlichen Veranstaltungen über Bürgerforderungen
zur B 170.
Forderungen nach immer mehr Straßen gehören dagegen zu
den beliebten Themen, denen sich Landräte geradezu auf die
Fahnen geschrieben zu haben scheinen. In der SZ-Ausgabe vom 04./05.01.2003
("Sachsen drängen auf schnelleren Straßenausbau")
fordern auch die Landräte des Vogtland- und des Annabergkreises,
Tassilo Lenk und Jürgen Förster, angesichts des rasant
steigenden Transitaufkommens im Zuge der EU-Osterweiterung immer
mehr Straßen. Als wenn es keine umweltfreundlicheren Alternativen
für Verkehrswege zwischen Sachsen und Tschechien gäbe.
Dabei machen es uns Länder, wie die Schweiz vor, wie man unter
Mitbestimmung der Bürger nach ökologischen Auswegen des
auch dort immer stärkeren Transitverkehrs über die Alpen
durch Verkehrsverlagerung auf die Schiene sucht und auch findet.
Nur bei uns, da wird der Bürger erst gar nicht gefragt und
wenn notwendig, auch gegeneinander ausgespielt.
In einer Welt, in der sich Politik immer mehr der Ökonomie
unterordnet, werden Politiker zu Hofnarren dieser die Politik determinierenden
Ökonomie und vergessen schnell, dass sie vor allem die Interessen
derer zu vertreten haben, die sie wählten. Das Schlimme, sie
merken nicht einmal, dass ihre Erklärungs- und Kanalisierungsfunktion
in Wirklichkeit von der Ökonomie kaum mehr gebraucht wird.
Die globalisierte Wirtschaft erklärt sich aus sich selbst heraus
und kanalisiert, wenn nötig mit Brachialgewalt.
Herr Landrat Greif, zeigen Sie, dass dieser Vorwurf auf Sie nicht zutrifft. Stellen Sie sich dem Dialog mit den Bürgern und den Bürgerinitiativen und suchen Sie gemeinsam mit uns nach nachhaltigen Verkehrslösungen, die wir auch noch vor unseren Kindern und Enkeln verantworten können.
Dietrich Papsch, Altenberg/OT Schellerhau