Von Liane Watzel - MDR-Online
(Den bebilderten Originalbeitrag finden Sie unter http://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/859884.html)
Fast ein Jahr lang war die Bundesstraße 170 für den Laster-Transitverkehr
gesperrt. Das August-Hochwasser hatte seine Spuren in den Dörfern
entlang der Straße zwischen Dippoldiswalde und Altenberg hinterlassen.
Seit Juli poltern die Laster wieder Richtung tschechische Grenze
und deutschlandeinwärts. Doch an Baustellen und Ampeln stoppt
der Verkehrsfluss immer wieder.
Die Landesregierung will die Bundesstraße 170 verlegen. Der Schwerlastverkehr soll von Dippoldiswalde über die Ortschaften Elend, Oberfrauendorf und entlang der Hochwaldstraße über Falkenhain und Waldidylle nach Oberbärenburg gen Altenburg fahren. Das soll dann die Orte entlang der bisherigen Strecke wie Kipsdorf und Schmiedeberg entlasten. Der Kreistag stimmte für den Vorschlag und der Bedarf für die neue Trasse ist offiziell anerkannt. Allerdings wurde der Fall vom Bundesverkehrsministerium nicht als dringend eingestuft. So steht die Umsetzung in weiter Ferne.
Alle Hoffnungen ruhen auf der A 17
Trotzdem ist Altenbergs Bürgermeister Kirsten froh: "Für uns geht es um den Tourismus. Bis zu 70 Prozent lebt Altenberg davon, dass Leute hierherkommen um sich bei uns zu erholen." Und mit der Erholung wird es nichts, wenn der Schwerlasttransport, wie bis vor dem Hochwasser, durch die idyllischen Orte rumpelt. Die angepeilte Alternativroute führt über eine alte Hochstraße, die nach dem Hochwasser ersatzweise für den Verkehr geöffnet wurde. Sie fängt hinter Altenberg an und führt durch dichten Wald oben am Hang an kleinen Ortschaften wie Waldidylle, Falkenhain und Dönschten vorbei.
Der Bürgermeister rechnet weiter: "In Altenberg geht
es um mehrere hunderttausend Gäste-Übernachtungen pro
Jahr. Da oben am Hang sind es ein paar hundert." Dasselbe gilt
wohl für die Lärmbelastung auch wenn Kirsten das
nicht als Problem sieht. Schließlich würde der Verkehr
nicht direkt durch die Ortschaften, sondern an ihnen vorüber
führen. Altenberg hat rund 2500 Einwohner, Waldidylle oben
am Hang 140, Falkenhain 250. Und dann gibt es ja nach die Autobahn
17, an der gebaut wird. Auf der werden dann die Schwerlasttransporter
fahren und das bringt dann auch Ruhe in die Dörfer, hofft Kirsten,
sowohl auf der angedachten Alternativroute über die Hochwaldstraße
sowie unten im Tal entlang der Roten Weißeritz.
Es geht auch ohne die B 170
Diese Argumente bringen Mitstreiter der Bürgerinitiative "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten" auf die Palme. Fast ein Jahr lang musste es "Dank" der Flut ohne die B 170 gehen und das beweist für Andreas Warschau, dass es auch ohne geht: "Das Abendland ist deswegen nämlich nicht untergegangen." Dass die A 17 Ruhe in die lärmgeplagten Orte wie Altenberg an der B 170 bringen soll, hält Andreas Warschau für Augenwischerei. "Totaler Quatsch. Zur Auffahrt zur Hochstraße müsste man ja doch durch Altenberg durch." Studien belegten außerdem, dass der Verkehr langfristig nicht weniger wird. Und der würde nicht komplett auf die A 17 verbannt. Statt über neue Straßen nachzudenken, müsse man das Denken ändern. "Alle tun immer so, als wäre der Verkehr eine Naturkatastrophe. Geschickt vom lieben Gott, gegen die man nichts machen kann. Dabei müssten wir bloß kapieren: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten."