Von Flut-Baustellen geplagte Anwohner wehren sich gegen mehr
Lkws auf der B 170
Von C. Spahr und F. Treue
Auf den ersten Blick ist es ein Stück Normalität, das sächsische und tschechische Politiker wiederherstellen: Ein Jahr nach der Flut fallen die Sperren im Grenzverkehr. Ab Montag dürfen Busse wieder in Schmilka über die B 172 nach Böhmen fahren, und in Neugersdorf haben neben Lastwagen nun auch Autos und Busse freie Fahrt.
Doch es regt sich Widerstand gegen die offenen Grenzen vor allem im Weißeritzkreis an der B 170. In Altenberg wird ab Montag wieder der Schwerlast-Verkehr Richtung Tschechien abgefertigt, und Bürgermeister Thomas Kirsten greift sich an den Kopf. Wir haben noch lange nicht alle Flutschäden beseitigt, sagt er. Weil auf dem Weg zur Grenze noch Brücken und Böschungen instand gesetzt würden, seien Lkw-Unfälle an engen Baustellen programmiert. Teilweise haben wir keine Fußwege deswegen sind auch die Einwohner in echter Gefahr. Weiter nördlich in Schmiedeberg, wo es drei Baustellen an der Bundesstraße gibt, denkt Bürgermeister Karl-Günter Schneider mit Grauen an Montag.
Bis zu 1 800 Lkws werden wieder pro Tag über Altenberg nach Tschechien fahren, erwartet Straßenbauamts-Leiter Dietmar Pietsch. Die Bitte aus dem Weißeritzkreis, mit der Öffnung zu warten, verhallte bei der Landesregierung ungehört obwohl auch Landtags-Vizepräsidentin Andrea Dombois (CDU) lautstark für ihren Heimatkreis kämpfte. Der Freistaat will sich an eine Absprache mit Tschechien halten, das auf die völlige Freigabe drängte. Auch dort gibt es aber Bürger-Proteste gegen die Lastwagen.
Der Lkw-Stau auf beiden Seiten der Grenze verleitet genervte Pkw-Fahrer zu halsbrecherischen Manövern, klagen Kommunalpolitiker. In Neugersdorf, wo der neue Grenzübergang bisher nur von Schwergewichten genutzt wurde, steht für die Ausreise nur eine Spur zur Verfügung. Wer als Autofahrer nicht im Zoll-Stau der Lkws stehen will, riskiert sein Leben beim Überholen auf der Gegenfahrbahn so die Angst vor Ort. In Altenberg ist das längst Praxis im zweispurigen Tunnel bei der Einreise. Die gehen ein wahnsinniges Risiko ein, sagt Bürgermeister Kirsten. Nur durch Glück gab es bisher keinen Unfall. Auf tschechischer Seite fehlt eine Ampel, die regelmäßig den Autos Vorrang gibt. Bis sie kommt, hilft nur Selbsthilfe: Engagierte Lkw-Fahrer regeln immer öfter an Stelle der Polizei den Verkehr.
Sächsische Zeitung 30. 08. 2003