Verkehrsfiasko Europa
Von Stefan Rössel
Altenberg, Dippoldiswalde, Possendorf - wer dort an der Bundesstraße B 170 wohnt, hat die Nase voll von der Osterweiterung der Europäischen Union. Seit Anfang Mai hat der Lastwagenverkehr schlagartig zugenommen. Aneinander gereiht eine Kette von fünf Kilometern zusätzlich wechselte von der "Rollenden Landstraße" zurück auf den Asphalt, quält die Anwohner und verpestet die Umwelt. Der Anstieg entsteht aus dem Wegfall der Grenzkontrollen, die in Görlitz oder Zittau für Entlastung sorgt.
Die Zunahme des Warenverkehrs ist gewollt. Aber Vorsorge ist dafür so gut wie gar nicht getroffen. Mit Mühe und Not wurde die West-Ost-Autobahn A 4 von Dresden bis an die Grenze bei Görlitz verlängert. Aber die rechtzeitige Fertigstellung der A 17 Dresden-Prag als Ersatz für die B 170 ist misslungen. Für die Straße ab Zittau durch das Dreiländereck gab es nur einen symbolischen Spatenstich. Und andere Verbindungen auf kurzem Weg über die Grenzen sind meist nicht einmal geplant.
Nun weiß jeder, dass Straßen für den Warenverkehr nicht gerade das Optimum sind. Eigentlich gehören Güter auf die Schiene. In Brüssel wird auch über Transeuropäische Netze gesprochen. Mehr jedoch nicht. So wagt heute keiner ernsthaft von einer dringend nötigen schnellen Erzgebirgsquerung der Bahn zwischen Dresden und Böhmen anstelle der Elbtalstrecke zu träumen. In der zentralen Verkehrsfrage gerät die EU-Erweiterung sichtbar zum Fiasko.
Sächsische Zeitung (Politik ), 18.05.2004