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Pflegedienste im Stau – Patienten müssen warten
Die vielen Baustellen kosten Zeit / Pflegekassen bezahlen zusätzlichen Aufwand nicht
Von Vicky Allisat
Zu denen, die täglich auf der B 170 unterwegs sind, gehören auch die Pflegedienste. Deren Mitarbeiter stehen ständig unter Zeitdruck. Sie sind darauf angewiesen, dass die Verkehrswege funktionieren, damit sie pünktlich bei den Patienten sind. Doch Staus und Baustellen auf der wichtigsten Verkehrsader des Weißeritzkreises erschweren auch den Pflegediensten die Arbeit. Ein besonderes Nadelöhr ist die B 170 in Schmiedeberg.
Dass die Straßen ausgebessert werden, dafür ist Angelika Herber, Pflegedienstleiterin der Diakonie Schmiedeberg, dankbar. „Doch die vielen Baustellen machen uns das Leben schwer“, verweist sie auf die Kehrseite der Medaille.
Die Schwestern der Diakonie Schmiedeberg fahren seit der August-Flut vor zwei Jahren durchschnittlich 20 000 Kilometer mehr pro Jahr. Der höhere Zeitaufwand lässt sich schlecht messen, ist aber enorm. Und mehr Geld gibt es dafür nicht. „Die Pflegekassen zahlen keine Fahrzeitpauschale, gezahlt wird nur die Behandlung und Leistung am Patienten, unabhängig davon, wie weit oder wie lange man fährt“, erklärt die Pflegedienstleiterin.
Zufahrtswege sind
oft blockiert
Nicht nur die Baustellen an der B 170 machen den Pflegediensten in Schmiedeberg das Leben schwer, auch Autofahrer, die im Stau stehen und dabei gedankenlos Zufahrtswege blockieren, kosten immer wieder Zeit und Nerven.
Hinzu kommt, dass mitunter ganze Straßenabschnitte zeitweise gesperrt sind. Wo möglich, umfahren die Pflegedienstmitarbeiter diese Nadelöhre und nehmen dafür einen höheren Zeitaufwand und längere Wege in Kauf.
„Am schlimmsten ist für uns der große Zeitverlust. Ich brauchte kürzlich ganze 45 Minuten für die Strecke von Ulberndorf bis Schmiedeberg“, schildert Frau Herber. Doch die Baustellen müssen sein. Noch immer werden in Schmiedeberg als Folge der Augustflut Abwasseranlagen erneuert, Fußwege wieder hergerichtet und Brücken gebaut. „Da kann man nichts machen“, hebt Kurt Gläser, Mitarbeiter der Bauverwaltung Schmiedeberg, die Schultern. „Bei Bauarbeiten sind Verkehrsbehinderungen nun mal nicht zu vermeiden.“
Besonders schwierig wird es, wenn gleich die gesamte Bundesstraße wegen eines Unfalls gesperrt werden muss, erklärt Isabell Komar von Schwester Monikas Pflege- und Betreuungsdienst aus Schmiedeberg. „Darauf kann man sich nicht einstellen. Es passiert von einen auf den anderen Moment, und dann ist alles dicht. Da bleibt uns nur die Möglichkeit, mit sämtlichen Mitarbeitern in Verbindung zu treten, um gemeinsam die Termine wahrzunehmen“, sagt Frau Komar.
Die Patienten reagieren unterschiedlich auf die Verspätungen ihrer Betreuer. Viele machen sich aber schon Sorgen. Denn gerade wenn es um die rechtzeitige Verabreichung von Medikamenten geht, dürfen sich die Mitarbeiter der Pflegedienste keine Verspätung leisten.
„In unserem Beruf kann man nicht einfach zu spät kommen. Da hängen mitunter Leben dran. Deshalb fährt man schon mal auf dem Bürgersteig entlang, steigt aufs Rad oder geht ein ganzes Stück zu Fuß, um zu den Patienten zu gelangen“, schildert Isabell Komar. „Man hat schon irgendwo einen kleinen Zeitpuffer, doch man muss trotzdem versuchen, seinen Zeitplan einzuhalten.“ Das sei manchmal selbst für erfahrene Mitarbeiter eine Zerreißprobe, sowohl körperlich als auch psychisch.
Der einen Baustelle
folgt die nächste
Eine Besserung der Situation ist vorerst nicht in Sicht. Nach Angaben der Gemeinde Schmiedeberg soll die Bauampel an der B 170 in Schmiedeberg bis Ende September verschwunden sein. Doch dann kommt gleich die nächste: Die Brücke zum Pöbeltal wird neu gebaut. Der Verkehr soll dann durch den Park geleitet werden.