Familie Holger Flegel aus Dippoldiswalde-Elend erklärt:
Mit Erschrecken lasen wir in der SZ vom 27. November von den mehr
als verrückten Plänen, die E 55/B 170 zu verlegen. Es
ist eine Verschwendung von Geldern, Natur und Lebensraum!
Wir haben versucht, das Für und Wider einer solchen Idee abzuwägen
und kamen zu folgendem Ergebnis: Für die neue E 55 (B 170 spricht
die Entlastung der Anwohner von Dippoldiswalde, Ulberndorf, Obercarsdorf,
Schmiedeberg, Kipsdorf sowie die möglicherweise bessere Erreichbarkeit
von Altenberg bei Hochwasser.
Dagegen spricht weit mehr; Nach Auskunft des Straßenverkehrsamtes
Dresden wird die alte E 55/B 170 wieder Transitverkehrs- und LKW-tauglich
ausgebaut und im Sommer 2003 für den Transitverkehr wieder
geöffnet. Die Anwohner von Reinholdshain, Elend, Nieder- und
Oberfrauendorf, Dönschten, Falkenhain, Waldidylle werden dafür
nun vom Transitverkehr und dem damit verbundenen Lärm und Schmutz
belastet. Was ist mit den Einwohnern der entsprechenden Ortschaften.
Zählen diese nicht?
Der Verkehr wird auf der B 170 zunehmen, da die Fuhrunternehmen
die Straßenmaut für die Autobahnbenutzung an der Grenze
umgehen werden, wenn es eine parallel dazu verlaufende Europastraße
gibt.
Durch den Autobahnzubringer ist Altenberg bei Hochwasser schnell
und effektiv von Hilfskräften zu erreichen, außerdem
wurde bereits die Hochwaldstraße ausgebaut. Was ist mit den
Ortschaften Ulberndorf, Obercarsdorf, Kipsdorf, sie sind in diesen
Plänen nicht an die "neue" B 170 gebunden, also auch
bei Hochwasser nicht besser über diese Straße zu erreichen.
Was geschieht mit den Gewerbetreibenden, Hotels, Gaststätten
etc. an der B 170, die auch vom Verkehr leben. Gehen diese pleite?
Die Landwirtschaft verliert Hunderte Hektar Nutzfläche, Äcker
werden zerschnitten und sind nicht mehr von den Landmaschinen zu
erreichen. Rinder können nicht mehr zu ihren Weidegebieten.
Die Agrargenossenschaften werden gezwungen sein, viele Leute zu
entlassen.
Das Landschaftsschutzgebiet Kohlbusch muss für die Trasse massiv
abgeholzt werden. Obwohl noch vor kurzem Sachsens Umweltminister
Flath in der Zeitung geäußert hat, dass zum Schutz vor
Hochwasser das Erzgebirge wieder aufgeforstet werden soll.
Das bisschen heile Natur, das wir im Erzgebirge noch haben, wird
weiter zubetoniert. Die Rückzugsmöglichkeiten der Tiere
und Zugmöglichkeiten von Wild werden weiter eingeengt und zerschnitten,
einige der letzten Feuchtgebiete trockengelegt. Nistplätze
der Vögel werden beseitigt und Rastplätze der Zugvögel
vernichtet.
Ist es sinnvoll für den Tourismus, wenn überhaupt keine
Ruhe mehr zu finden ist? Der Kohlbusch und das Gebiet um die Hochwaldstraße
haben sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Ausflugsziel
und Erholungsgebiet entwickelt, das vor allem am Wochenende stark
besucht wird. Diese Entwicklung wird ein jähes Ende finden,
wenn der Bau stattfindet.
Steuergelder werden für diesen sinnlosen Bau genommen, EU Hochwasserschutzmittel,
ebenfalls unsere Steuern, für den Bau verwendet, der keine
Hochwasserhilfe ist, denn die kleinen Ortschaften werden trotzdem
nicht erreicht und außerdem Versickerungsmög-lichkeiten
des Wassers durch Abholzung und Betonierung beseitigt, sodass das
Wasser umso schneller die Hänge herunter fließen kann!
Da die neue B 170 durch Feuchtgebiete führt, ist außerdem
nicht auszuschließen, dass an diesen Stellen auch wieder Überschwemmung
droht, denn die Wiesen standen im August ja genauso unter Wasser.
Die Reparaturen an der B 170 kosten 25 Mio. Euro. Sollte in nächster
Zeit wieder ein Hochwasser kommen, so müssten für die
alte B 170 auch wieder Gelder für deren Reparatur bereitgestellt
werden. Sollte nicht besser vorgebeugt werden, damit solche Schäden
überhaupt nicht erst entstehen?
Bei einer Neuverschuldung des Landes Sachsen von 777 Millionen Euro
sollten doch mit den 25 Millionen Euro wirklich Hochwasserschutzmaßnahmen
in Angriff genommen werden, z.B. solch ein Rückhaltebecken
im Gebirge gebaut werden, wie es sich in Reinhardtsgrimma bewährt
hat. Als Bürger kennen wir uns schon ein wenig damit aus, dass
uns gern "niedrige" Preise vor Baubeginn versprochen werden,
die dann in ungeahnte Höhen klettern. Es sei darauf verwiesen,
das entgegen der Aussage, keine Brücken seien nötig, bereits
in der Trassenplanung der Deges mindestens eine Brücke über
Oberfrauendorf enthalten ist. Außerdem ist das Gebiet ehemaliges
Bergbaugebiet und somit ist jeder zeit mit einem Einbrechen des
Bodens zu rechnen. Auch sind Wildbrücken, Lärmschutz,
Ausgleichsmaßnahmen, Entschädigungen und dergleichen
nötig.
Ein Grund für die neuen Planungen ist sicher auch die Verlegung
des Schwerlastverkehrs von der alten B 170. Momentan ist diese für
den Schwerlastverkehr nicht passierbar. Wir sind nicht dafür,
dass die B 170 und damit die Anwohner erneut vom Schwerlastverkehr
strapaziert werden. Der Lkw-Fernverkehr gehört nicht in unser
enges Tal. Wir möchten davor warnen, die Anwohner der "alten"
Trasse gegen die der "neuen" auszuspielen. Unser gemeinsames
Ziel muss sein, den Schwerlastverkehr mit vernünftigeren Lösungen
wie zum Beispiel der rollenden Landstraße zu befördern.
Alle Landbesitzenden, in der Landwirtschaft Beschäftigte, Forstwirte,
Einwohner der betroffenen Orte, Naturfreunde und Freunde unseres
Erzgebirges sollten sich mit allen Mitteln gegen die Pläne
zu wehren. Eine Unterschriftensammlung als eine Möglichkeit
des Widerstandes soll in den nächsten Tagen ins Leben gerufen
werden.