Einwohner müssen weiter mit dem Lkw-Verkehr in der Stadt leben / Mögliche Trassen würden Naturschutzgebiete streifen
Maik Brückner
Es gab nicht wenige, die nach der Jahrhundertflut von einem Lkw-freien
Altenberg träumten. Schließlich wurde nach der August-Katastrophe
2002 nicht nur die Idee vom Neubau einer Bundesstraße auf
dem Kamm geboren, auch eine Ortsumfahrung für Altenberg war
im Gespräch. Kein schlechter Gedanke, schließlich müht
sich die Stadt seit längerem um den Titel Kurort. Da käme
eine Lkw-freie Kernstadt gerade recht.
Diesen Traum können die Altenberger erst einmal begraben. Die
Bergstadt wird keine Umgehungsstraße bekommen. Diese traurige
Nachricht musste Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten jetzt
seinen Stadträten verkünden, obwohl er relativ optimistisch
war", die Straße zu bekommen. Eine Machbarkeitsstudie
vom Straßenbauamt Dresden (SBA) lieferte aber Gründe,
diesen Plan nicht weiter zu verfolgen. Es sind zwei, wie Annette
Binninger, Pressesprecherin des sächsischen Wirtschaftsministeriums,
erläutert. Die Pläne sind zum einen wegen der Natur vom
Tisch. Von den drei untersuchten Trassen führten zwei durch
ein Trinkwasserschutzgebiet und brauchten deshalb gar nicht weiter
verfolgt zu werden, da dessen Schutz oberste Priorität hat.
Dazu kommt, und das schlug sich auch bei Variante drei nieder, dass
alle drei möglichen Trassen durch landschaftsschutzrelevante
Gebiete geführt werden müssten. Ebenfalls ein Ablehnungsgrund
für die Straßenbauer. Damit nicht genug. Neben den Naturschutzbelangen
gibt es für das Ministerium noch einen zweiten handfesten Grund.
Eine Ortsumfahrung, wo auch immer sie lang führen würde,
rechnet sich nicht sie ist nicht wirtschaftlich. Diese nüchterne
Behauptung untersetzt das SBA mit Fakten, die es aus einer Verkehrsprognose
ableitet. Im Jahre 2000 zählte man in Altenberg insgesamt 6
000 Fahrzeuge, die täglich durch die Bergstadt fuhren. Rund
1 200 davon waren Lkws. Im Jahr 2015 werden es der Prognose zufolge
nur noch halb so viele sein das SBA rechnet mit 3 000. Auch
der Lkw-Verkehr werde sich verringern. Diese Entwicklung beruhe
auf keinem Wunder, sondern auf dem erhofften Effekt der Autobahn
A 17, die bereits 2006 fertig gestellt werden soll. Deshalb
gehen wir davon aus, dass die Entlastung schon 2006 eintritt",
sagte Frau Binninger.
Für ihr Ministerium gibt es deshalb keinen Anlass, eine Ortsumfahrung
für Altenberg beim Bund nachzumelden. Die Straße wird
auch nicht in die Planung aufgenommen, sagte die Sprecherin.
Sächsische Zeitung (Lokales Dippoldiswalde ), 08.11.2003